Ja, lange nichts mehr von mir
gehört. Ja, ich bin wieder zurück. Ja, lange nichts mehr von mir gelesen. Und noch weniger über Äthiopien.
Ich habe jedoch immer gesagt, ich möchte diesen Blog über Äthiopien weiter
schreiben…
Es ist an der Zeit, denke ich,
dies zu tun.
Am 07. November startete ich mit
dem Flugzeug und 08. November 2011 landete ich in Äthiopien. Anlässlich dieses Datums
habe ich vor einer Woche, leider nicht am 07. oder 08. aus organisatorischen
Gründen, einen äthiopischen Abend veranstaltet, wie auch kurz nach meiner
Rückkehr nach Deutschland. Mit Freunden, äthiopischem Essen, Fotos und Musik. Und mehr und mehr möchte ich noch all die erlebten
Dinge dort niederschreiben, weil es mir ein Bedürfnis ist und es mich einfach
bewegt hat. Den Abend letzte Woche gab ich auch für eine Freundin, die sich
aufgrund meiner Erzählungen 2012 ebenfalls entschloss für eine Weile nach Äthiopien zu
gehen und nun auch seit drei Wochen wieder im Lande ist und Äthiopien so vermisst wie ich. Wie ihr es jetzt geht,
kann ich voll und ganz nachvollziehen. Doch dazu erst später, in einem der
folgenden Beiträge, mehr. Als ich mich das erste Mal nach ihrer Reise wieder mit ihr traf und
über unsere Erlebnisse dort mit ihr sprach, war alles wieder da, nach fast 1,5
Jahren, jedes einzelne Gefühl in den einzelnen Situationen. Ein Ansporn wieder
zu schreiben und die Dinge zu erzählen, die viele interessierten, aber nie
kamen. Genauso, wie die Inspiration durch einen Blog eines guten Freundes und die Fragen nach meinem Blog, als auch überhaupt der Wunsch zu schreiben. Also Schluss mit dem Vorgeplänkel, angefangen mit der Geschichte, einem
Beitrag, den ich noch in Äthiopien schrieb, nur nie veröffentlichte:
Alemayehu and Meseret experience Ethiopia
– So macht man Geschäfte 1
| Staßenlaterne marke Eigenbau für Seitenstraßen |
Das Ende meines Praktikums nahte
mit viel „Routinearbeit“ zum Schluss, wodurch dieses langwierig erschien. Nach
entworfenem Logo Briefpapier, Visitenkarte und weitere Unterlagen nach zuvor
festgelegtem Maß anfertigen. Aber der kurzfristig geplante Besuch meines
Cousins stand an und ich freute mich schon riesig darauf. Am 17. Februar war es
dann soweit. Endlich keine Arbeit mehr, endlich reisen, endlich Familie
wiedersehen. Dafür aber Aufstehen mitten in der Nacht, um mit dem zuvor
organisierten Lada (fast alle Taxis sind hier weiß-blau angestrichene Ladas)
zum Flughafen zu fahren und Tom in Empfang zu nehmen. Quer durch die nachts
unglaublich dunkle Stadt, da Straßenlicht hier rar ist, ein zugleich
wunderbares, unheimliches und romantisches Gefühl.
Für Tom alles neu, für mich schon
gewohnt. Nur ab nach Hause, ankommen, schlafen. Am nächsten Morgen dann ein
leckeres, eher europäisches Frühstück, ein wenig surfen im Netz, bescheid
geben, dass die Ankunft gut verlaufen ist und dann raus, Äthiopien erleben. Die
ersten Tage verbrachten wir zusammen mit Freunden in Addis Abeba, um Tom ein
wenig das äthiopische Leben in der Stadt mit Freunden zeigen zu können und vor allem das mehr als gute Essen und um unsere gemeinsame Tour zu planen. So aßen
wir gleich am ersten Tag noch Kitfo (mein Leibgericht aus rohem Fleisch in
äthiopischer Gewürzbutter) und tranken den weltbesten Latte Macchiato den es
je gab (Gott, wie ich den heute vermisse!!!). Da können die Italiener sowas von
einpacken! Eintritt ins äthiopische Leben auf die krasse Art. Gell, Tom? :D
| worlds best Macchiato |
| eher europäisches Frühstück mit Tom |
| Meine Leibspeiße: Kitfo (rohes Fleisch in Gewürzbutter, mit Ayib (scharfem Hüttenkäse) und Mitmita (Chillipulver) |
Interessante Gespräche über
Lebenserfahrungen und -wege bei traditionellem, äthiopischen Kaffee, Essen,
Foto Shisha und Khat mit guten Freunden später sollte es losgehen.
Den Abend
vor der Tour, die Bezahlung und Klärung der letzten Vorbereitungen derselben
ganz auf afrikanische Art: Die den ganzen Tag über an verschiedenen Orten (im
Reisebüro eines Bekannten am anderen Ende der Stadt, zu Hause und bei Freunden)
geplante Reise, wurde sodann von allen Beteiligten am Abend im Hause meines
Chefs und mittlerweile guten Freundes noch einmal durchgegangen und besprochen.
Alle Beteiligten meint: Mein Cousin, mein Chef und ich, empfangen im Wohnzimmer drei
Äthiopier. Ein wenig mystisch oder sagen wir, wie in einem guten Krimi kam mir
die Situation schon vor, ein wenig Gangsterverhandlungen mäßig.
| Coffee-Ceremony bei Freunden |
| traditionelles Kaffeerösten |
| so feiert man Geburtstag in Äthiopien mit Europäern und Äthiopiern |
| Shisha mit Freunden |
| Shisha mit Freunden |
Wir standen
also dort und herein kamen der Freund eines Freundes, dem das Reisebüro
gehörte, der Mann, der unser Fahrer werden sollte und ein Freund derer. Vom
Fahrer zunächst sehr wenig beeindruckt, weil er sehr prollig wirkte und stämmig
war, gingen wir in die Preisverhandlungen, bzw. Geldübergabe bei schummrigem
Licht. Etwas komisch zumute war mir dabei schon, auch wenn alle sehr freundlich
und nett waren. Jedoch lag das daran, dass wir noch um den Preis verhandelten
und Tom und ich der Meinung waren, dass wir für Kostenersparnis und wirklich
afrikanische Erlebnisse einen älteren Jeep (dann auch mit anderem, hoffentlich
sympathischerem Fahrer) nutzen wollten. Unser Gegenüber jedoch versuchte uns
davon zu überzeugen, wir sollen doch den neueren Jeep mit hier anwesendem
Fahrer nutzen auch wenn es teurer ist, denn dieser Jeep hätte doch Klimaanlage.
Das Problem: sie würden den Fahrer des alten Wagens so kurzfristig nicht mehr
erreichen, sie hätten es den ganzen Tag versucht. Das wahrscheinlich
eigentliche Problem: den älteren Wagen hätten sie sich wohl von einer anderen
Reisegesellschaft geliehen und so Gewinn teilen müssen. Um die Situation zu
entspannen und aus ihr bald herauszukommen lenkten wir also vorab ein. Es wurde
abgemacht, dass sie weiter versuchten (wohlgemerkt es war bereits Abends halb
10 Uhr) den anderen Fahrer zu erreichen und ihn bis morgens um 6 Uhr zu uns zu
schicken und wir zahlen zunächst nur den geringeren Preis, den Rest später,
falls doch der neue Wagen käme. Abgemacht, Handschlag drauf, Bezahlung, in bar.
So viele Scheine hatte ich in meinem Leben noch nicht in der Hand, ich glaube
es müssen so um die 16.000 Birr gewesen sein und der größte Birr-Schein ist
wohl der 100ter.
| Nur 4000 der äthiopischen Birr... |
Und wie erwartet empfing uns am
nächsten Morgen vor unseren Toren dann… natürlich der Fahrer vom gestrigen
Abend im neuen Toyota Jeep. Die Reise konnte losgehen.
| Unser neurer Tourwagen |
| Unser alles Andere als unheimliche Fahrer: Tesfaye (mehr auch dazu im nächsten Blog) |
Wohin es ging und was
wir dort so alles erlebten folgt dann bald. Nur eins schon jetzt: Es war ein
unvergessliches Erlebnis!!! Oder um es mit den Worten Toms nach den ersten, wenigen Tagen zu beschreiben "Wenn man wieder in Deutschland ist, kommt es einem sicherlich wie ein Traum vor."
Viele Grüße,
eure Fanny
PS.: Schön ist, zurück in Deutschland, kann ich die Beiträge nun mit weit mehr Bildern schmücken als vor Ort. Internet ist hier schon selbstverständlich, dort hat es mich oft verschreckt weiter zu schreiben, weil ich die Beiträge nie hätte so bebildern können wie hier und es teuer war und ewig dauerte alles zu hochzuladen. Ganz zu schweigen vom Wunsch einfach alles nur mit meinen Sinnen aufzusaugen, statt mit irgendwelcher Technik...
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