Sonntag, 24. November 2013

Coffee Ceremony, ein Lebensgefühl


Aufbau für die Zeremonie
Ich habe in Äthiopien vieles kennen und lieben gelernt. Dazu gehört selbstverständlich auch eines der tollsten Dinge der Welt für Genießer: der Kaffee! Deswegen gebührt diesem auch ein eigentständiger Blogeintrag. Kaffee ist hier nicht einfach nur Kaffee, den man schnell morgens mal fix in den Filter kippt, Wasser drauf fertig oder sich einen, um wach zu werden, fix im Vorbeirennen bei Starbucks und Co. in Pappbechern holt. Kaffee wird hier noch zum großen Teil zelebriert. Kaffee wird mit Freunden getrunken, für Freunde gekocht und Kaffee wird vor allem genossen! Und das kann sogar Stunden dauern.

Kommt man als Gast in ein äthiopisches Haus, so wird gern eine Coffee-Ceremony, eine Kaffeezeremonie veranstaltet, bei der man letztendlich mindestens drei Tassen davon trinkt. Mit der Zeremonie verhält es sich so:
Djebenna, typische Kaffeetassen und Weihrauchbehältnis
Zunächst wird der, ich will es mal Kaffeealtar nennen, aufgebaut, dazu gehört ein kleines, schmuckes Kästchen auf dem die Kaffeetassen bereitstehen, daneben kommt die Jabanna oder Djebenna (über Schreibweisen äthiopischer Wörter ist man sich oft nicht einig), die äthiopische Kaffeekanne aus Ton, in welcher der Kaffee gekocht wird und eine weitere kleine Tonschale oder -behältnis für den Weihrauch, als auch das Tonbehältnis für die Kohle. Außerdem, ganz wichtig und nicht zu vergessen, werden grüne Blätter oder Blüten oder beides um die Kaffeegefäße auf den Boden gelegt. Was zur Tradition gehört und auf das frühere (und auf dem Land auch noch praktizierte) Leben auf dem Boden, sozusagen im Gras, zurückzuführen ist.
Kaffeerösten auf heißer Kohle
Weiter wird dann der noch rohe, grüne Kaffee auf einem Stück Blech oder Ton direkt über dem Feuer in einer weiteren Tonschale geröstet, je nach Röstgradwunsch braun bis dunkelbraun. Als Nächstes wird dann, nein nicht der Kaffee gemahlen, er wird so warm wie er ist unter den Gästen herumgereicht, um den frischen Röstduft des Kaffees einatmen zu können und so schon einen Vorgeschmack darauf zu bekommen. Während der Zeremonie wird dann auch ein wenig Kohle in ein kleines Tonbehältnis gegeben, um dort etwas Weihrauch zu verbrennen. Weihrach gehört ebenso zur Zeremonie und soll den Genuss unterstützen, wie das herumreichen des Kaffees selbst. Zunächst gewöhnungsbedürftig, riecht beides jedoch einfach wundervoll. Anschließend, noch im Mörser (wahlweise natürlich auch im Mixer, wenn Geld und Strom dafür vorhanden), wird der Kaffee dann gemahlen und als grobes Pulver in die Djebanna gegeben und mit ein wenig Wasser aufgegossen. Die Djebanna wird direkt auf die heißen Kohlen gesetzt und der Kaffee das erste Mal gekocht.
dampfender Weihrauch
Nach ständigem Schwenken der Djebenna und Prüfen der Kaffeestäre, indem immer wieder ein Schluck Kaffee in eine Tasse gegossen und die Dicke des Kaffees begutachtet wird, füllt man mehr Wasser zum Kaffee, eben bis die gewünschte Schwärze und Dicke erreicht ist. Dieser Vorgang kann schon mal 10-20 Minuten dauern. Kaffee wird hier also noch richtig gekocht. Währenddessen wird sich unterhalten und einfach die Zeit zusammen genossen. Ist der Kaffee fertig, so wird er direkt aus der Djebanna aus ca. 10-20cm Höhe (Spritzer auf Boden, andere Tassen und Möbel sind dabei ein Muss) in die kleinen typisch, äthiopischen Tassen (die eigentlich aber aus China kommen, Globalisierung sei Dank) gegossen. Und wie bereits gesagt, gibt es davon dann mindestens drei Tassen für jeden, vor allem aber den Gast. Das Kaffeezubereiten ist hier übrigens den Frauen überlassen. Wie noch so vieles mehr, das vor Allem aber auf dem Lande, da das städtische Leben doch eher zunehmen westlicher wird. Mit all seinen Pizzarestaurants, Condominiums (Mehrfamilienhäuser schrecklich schlecht ausgebaut Art).


Ich habe solche Zeremonien sehr oft im Haus von Freunden oder auch in öffentlichen Caféeinrichtungen genossen und jede einzelne war wundervoll. Der äthiopische Kaffee ist ein anderer als das, was man hierzulande so kaufen kann. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass er noch selbst geröstet und wirklich gekocht wird oder es einfach andere Kaffeesorten sind. Er sieht aus wie Espresso und ist auch recht stark, weshalb in den Kaffee auch immer viel Rohrzucker gegeben wird (3-4 Espressolöffel pro Tasse), ist aber bei weitem nicht so bitter wie der gemeinhin bekannte Espresso. Ich habe meinen Kaffee jedoch oft mit weniger Zucker getrunken, wobei das Wort „baka“ mehr als wichtig war, denn es heißt so viel wie genug und muss drei bis fünf Mal gesagt werden, bis wirklich davon ausgegangen wird, dass man es ernst meint. Ein meiner äthiopischen Lieblingswörter, als auch meist genutzten, denn die Äthiopier meinen es immer gut mit dir, etwa so wie wenn man Oma besucht und zum dritten Mal sagt „Danke Oma, ich bin nun wirklich, wirklich satt!“

Kaffee mit Minze
Verfeinert wird der Kaffee, und auch Tee, auch gern mal mit einem äthiopischen Kraut, einer äthiopischen Minze, die überall in Gärten und auch wild wächst. Dafür einfach etwas vom Strauch abgezupft und in den Kaffee getan. Aber besser nicht zu lang drin lassen, das Kraut ist ziemlich stark im Geschmack.








worlds best Macchiato

Auch interessant ist der Kaffee, den man im Laden, also Cafés oder Restaurants kaufen kann. Es gibt dort Macchiato, was normaler Kaffee mit aufgeschäumter Milch ist, normalen schwarzen Kaffee oder aber auch Espresso. Espresso ist aber, nicht wie man es hierzulande kennt unglaublich starker Kaffee, sondern eine halbe Tasse Kaffee mit einer halben Tasse Schwarztee. Unglaublich ungewöhnliches Getränk, was ich als Kaffeegenießer auch nur einmal und nie wieder probiert habe. Macchiato hingegen, habe ich auch getrunken wo ich konnte. Super lecker!


Kaffeezeremonie mit den Kollegen und Kolleginnen anlässlich Weihnachten vor dem Büro


Kaffeezeremonie in Hawassa in einem "Café"






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