Zurück in Deutschland, da war ich am 31. März 2012 und ich weiß alles noch wie heute, wie es war und sich anfühlte. Angefangen bei den Gedanken und den gemischten Gefühlen im Flugzeug, bis zu den Gedanken, die ich mir heute noch über alles mache, eine ganz merkwürdige Situation, die ich so zuvor nie erlebt hatte.
Man muss wissen, dass ich die ganze Zeit über in Äthiopien nicht viel von Deutschland vermisst habe, ich hatte kein großes Heimweh oder brauchte etwas unbedingt. Ich weiß noch, das einmal der Gedanke aufkam "Ein Stück Käse wäre jetzt nett." und natürlich hätte ich in all der Zeit auch gerne meine Familie und Freunde gedrückt und sie an all den Erlebnissen teilhaben lassen. Aber darüber hinaus, fühlte ich mich pudelwohl, dort wo ich war. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich mir dort auch Kinderschokolade oder Nutella für fünf Euro kaufen können. Aber ich tat es nicht, ich brauchte es nicht. Ok, ok, ich gebe zu, ein Glas Nutella musste sein, vermisst, hatte ich es aber nicht.
Sogar im Flugzeug auf der Heimreise machte ich noch unvergesslich interessante Entdeckungen. Eine Äthiopierin kam auf mich zu und Fragte mich etwas. Im ersten Moment musste ich ungläubig noch einmal nachfragen, was sie denn sagte, denn sie sprach mich auf Deutsch an und fragte, ob ich die Plätze mit ihrer Schwester tauschen könne, sodass sie in Familie zusammensitzen könnten. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir persönlich, außer in der deutschen Kirche an Weihnachten, mit denen ich aber keinen persönlichen Kontakt hatte, noch kein Äthiopier begegnet, der sich auf Deutsch mit mir unterhalten konnte. So bekam ich doch noch einen Fensterplatz, der mich beim Abheben und der unglaublich schönen Aussicht über Äthiopien und dem Wissen dort nun erst mal nicht mehr zu sein zum vergießen von der ein oder anderen Träne rührte.
Zurück also in Deutschland, ausgestiegen aus dem Flugzeug, das Gepäck nach einigem Warten eingesammelt lief ich quer durch den ganzen frankfurter Flughafen zum flughafeninternen Bahnhof, um dort auf meinen Zug zu warten. Bereits jetzt merkte ich, dass ich langsamer ging als viele um mich herum und betrachtete immer wieder die Äthiopier, die mit mir ausstiegen in dem Wissen, die Menschen, die auch nur annähernd erahnen konnten, wo ich gerade herkam und wie es dort ist, gleich nicht mehr zu sehen. Nach und nach tauchten mehr und mehr weiße Gesichter auf. Am Bahnhof angekommen, ganz germanlike noch fix was zu essen und trinken (natürlich Kaffee) gekauft und über die Preise unfassbar gestaunt - weil teuer - setzte ich mich auf eine Bank, um dann auch gleich zu vertilgen, was ich ergattert hatte. So richtig bekam ich jedoch gar nicht mit, was ich da eigentlich zu mir nahm, denn auf einmal nahm mich in Gedanken meine Umwelt in Beschlag. Ich sah mir die Menschen an, die an mir vorüber gingen und immer wieder schossen mir Fragen durch den Kopf wie "Oh, Gott, wie sieht das denn aus?", "Warum rennen die denn so?", "Worüber reeeden die denn da?" bis hin zu "Und wieso sehen denn alle so merkwürdig aus?"
Viele Ich-bin-heil-gelandet-und-wieder-im-Lande-Sms und -Anrufe und eine mehrstündige Zugfahrt später, holte mich dann mein guter Freund Imanuel des späten Abends vom Bahnhof ab, um das letzte halbe Stündchen nach Hause zu fahren. Auch hier wieder eine Unfasslichkeit beim Halt auf der Tankstelle. Während Imanuel also ausstieg um zu tanken, saß ich im Auto wartend und auf ein riesen großes Plakat starrend. Auf dem Plakat war ein Teller mit zwei Crossoints mit leichtem Schokoüberzug zu sehen und der großen Aufschrift "Frühstück für nur 1,89 €". Ich fiel aus allen Wolken, als ich wie automatisch umrechnete, dass man in Äthiopien davon ca. 12 der mindestens genauso leckeren, süßlichen Weißbrote kaufen konnte. Ganze Brote und die waren nicht klein! Diese schon angewohnte Umrechnerei, die in Äthiopien oft zu einem "Aaach, für den Preis kann man das schon mal machen." führte, sollte mich nun in umgekehrter Weise noch eine ganze Weile begleiten und mich nun oft zu eher "Das lass ich lieber doch mal liegen, das brauch ich eigentlich nicht." führen.
Ja, ich musste mich an Deutschland erst mal wieder gewöhnen. Es kommt einem auf einmal alles völlig anders vor, obwohl man alles doch eigentlich kennen sollte. Ich denke das kommt dadurch, dass man einen anderen Blick auf die Dinge entwickelt hat, den Verlgeich zu einer anderen Welt ziehen kann und das auch tut.
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